Hier die Rezension zu unserem Buch, welches Simone Vogel und Romina Nickel vom Karlsruher Happy-Birthday e.V. im Juli 2016 auf Ihrer Website publiziert haben. Vielen herzlichen Dank für die Genehmigung des Abdrucks.

 

Mit ihrem Buch „Mama werden mit HypnoBirthing“ bringen Bianca Maria Heinkel und Jhari Gerlind Kornetzky ein längst überfälliges Buch heraus. Angepasst an den deutschsprachigen Raum, versorgen sie ihre Leserinnen und Leser mit umfangreichen Informationen zur Geburtsvorbereitung mit der HypnoBirthing-Methode.

Kein Dogma mehr zu finden

Zunächst räumen die Autorinnen mit Vorurteilen auf und erklären, was HypnoBirthing nicht ist. An dieser Stelle finden sie klare Worte und machen auch deutlich, dass kein Buch der Welt und keine Instanz im Außen der Frau abnehmen kann, was ihre Aufgabe ist: Ihr Kind zu gebären! Während im Buch von Marie Mongan die „interventions- und schmerzfreie Geburt“ als das anzustrebende Ideal dargestellt wird, lassen die Autorinnen mehr Raum für eigene Vorstellungen und Interpretationen von Geburt und Selbstbestimmtheit. Dieser fehlende Dogmatismus dient der Sache, denn im HypnoBirthing, wie es hier beschrieben wird, geht es nicht darum, mit 100%iger Sicherheit auf eine perfekte und schmerzfreie Traumgeburt zuzusteuern. Wie Geburt ein machbares Ereignis wird und wir uns umfangreich vorbereiten können, das folgt auf den kommenden Seiten.

HypnoBirthingTechniken, Physiologie und authentische Berichte, die Mut machen

Es wird verdeutlicht, wie Worte auf uns wirken und warum unsere Sprache und die damit verbundenen Assoziationen Einfluss haben können auf unsere Vorbereitung und auch auf den Verlauf der Geburt. Die Leserschaft findet viele alltagstaugliche Mentaltechniken, die auch ohne Schwangerschaft und Geburt Anwendung finden können. Der Zusammenhang zwischen Angst und Schmerzen wird erläutert, jedoch ohne falsche Versprechungen. Ja, wir können unsere Schmerzwahrnehmung beeinflussen und lernen, mit Schmerzen besser umzugehen. Aber es gibt auch mit HypnoBirthing keine Garantie für eine absolute Schmerzfreiheit. Das Verständnis über die Physiologie des Gebärens hilft der Leserschaft an die Kraft des weiblichen Körpers zu glauben. Immer wieder werden Erfahrungsberichte von Frauen eingestreut, die verschiedene Aspekte verdeutlichen und Mut machen, ohne zu beschönigen. Auch der Umgang mit starken Schmerzen oder Angst wird authentisch berichtet. Wir erfahren, warum Pressen nicht sinnvoll ist und bekommen hilfreiche Tipps zu besonderen Situationen wie Kaiserschnitt, Beckenendlage und einem sinnvollen Umgang mit dem errechneten Geburtstermin.

(Klinik-)Realität inklusive

Im Kapitel zum Geburtsort kann, wer möchte, ein klares Plädoyer für die Hausgeburt lesen, und das, ohne die Klinik zu verteufeln. Mit der Aufforderung auf die eigenen Bedürfnisse zu hören und genau zu differenzieren, wie die Entscheidung für einen Geburtsort zustande kommt, fordern die Autorinnen zum selbst Nachdenken auf. Gezielte Fragen geben Impulse, stets ausgehend vom Vertrauen in die natürlichen Prozesse, die eigene Kraft und Gebärfähigkeit. Um die Geburt genauer vorzubereiten und sich, insbesondere beim Gang in die Klinik, bewusst zu werden, welche eigenen Wünsche und Vorstellungen vorhanden sind, finden werdende Eltern ebenfalls Informationen. Auch ein eigener Geburtsplan kann anhand vorgegebener Fragen ausgearbeitet werden. Auch an dieser Stelle des Buches machen die Autorinnen unmissverständlich deutlich, dass nur die Ausarbeitung eines Planes und das Abhaken von Listen nicht sicher zu einer reibungslosen Kommunikation mit dem Klinikpersonal führt. Vielmehr bedarf es tatsächlicher Klarheit und einem hohen Maß an Selbstbewusstsein, um den eingeschlagenen Weg einer sanften und interventionsarmen Geburt auch in der momentan herrschenden Realität gehen zu können. Es sind die Details, die gelungen sind, zum Beispiel erfährt die Erstgebärende welche Routinen sie mit vaginaler Untersuchung und Anschluss an das CTG in der Klinik erwarten. Dass es normal ist, wenn die Wehentätigkeit durch den Ortswechsel nachlässt. Im Anschluss an jedes Kapitel findet sich in einem „HB Quick“ das Wichtigste in Kürze zusammengefasst. Eine gute Möglichkeit, sich einen Überblick über das Wesentliche zu verschaffen, Tage später noch einmal zu wiederholen oder dem Partner die Fakten in Kurzform unter die Nase zu halten.

Ein Felsenkapitel für die Väter

Heinkel und Kornetzky lieben die Väter, weshalb sie ihnen unter dem Titel „Für den Vater, den Fels in der Brandung“ ein ausführliches, Mut machendes Kapitel widmen. Fragen zur eigenen Auseinandersetzung mit dem Thema Geburt auch für die Herren der Schöpfung, Worte über diesen Meilenstein vom Mann zum Vater und vor allem ein Plädoyer für die aufrichtige Präsenz. Dieses Kapitel halten wir für sehr gelungen, ja, absolut „männertauglich“ und denken, dass auch ein eher skeptischer Partner in knapp 20 Seiten wunderbar eingeführt werden kann in die Faszination der natürlichen Geburt und seine mögliche Rolle in dieser besonderen Zeit. Dabei sind die Autorinnen realistisch und klar und stellen eine Fülle von positiven Geburtsberichten von Vätern zur Verfügung, die Lust machen auf dieses Erlebnis.

Die Schwachpunkte aus unserer Sicht

Neben all dem Lob und den zahlreichen gut gelungenen Aspekten, stellte sich zwischenzeitlich beim Lesen ein Gefühl der Überforderung ein. Wir versuchten uns vorzustellen, wie die Erstgebärende sich fühlt, die sich mit Hilfe dieses Buches auf die bevorstehende Geburt vorbereiten möchte. Alle Übungen sind praktikabel und anschaulich erklärt, doch in ihrer Menge und ohne begleitenden Kursbesuch unter Umständen ein Dschungel. Es ist die Vielzahl an Übungen, Tipps und Fragestellung, über die noch nachgedacht werden kann, die zuweilen überfordernd wirken kann.

In diesem Zusammenhang kann man sich auch über den Aufbau des Buches wundern. Denn zunächst werden alle Techniken beschrieben und eher die theoretischen Grundlagen der mentalen Vorbereitung erläutert, bevor im Anschluss erklärt wird, wie die Physiologie funktioniert und warum folglich diese Techniken besonders im Kontext der Geburt wirken. Wer Hypnose und Mentaltraining sucht, wird schnell fündig. Wer einfach rein lesen möchte, um sich ein Bild zu machen und zu schauen, ob diese Art der Geburtsvorbereitung für einen selbst geeignet ist, der muss durchhalten, bis auch die handfesten Fakten, wie zum Beispiel die Funktionsweise der Gebärmuttermuskulatur, erklärt werden.

Unser Fazit: Lesen!

Wir wünschen uns, dass möglichst viele Frauen durchhalten, denn aus unserer Sicht ist es ein durchaus lesenswertes Buch. Fernab von Schönrederei oder falschen Versprechungen gelingt es den Autorinnen Zusammenhänge zu erklären, Werkzeuge zur Vorbereitung an die Hand zu geben und ganz viele Gründe für Vertrauen und Zuversicht zu vermitteln. Dass HypnoBirthing kein Patentrezept für eine Traumgeburt, jedoch wertvolle Unterstützungsmöglichkeiten für eine natürliche Geburt zu bieten hat, wird anschaulich beschrieben. Wunderschöne Fotografien, verständliche Grafiken, die erklärte Fakten verdeutlichen und viele weise Zitate machen Lust aufs Lesen. Ein Buch, das Verstand, Auge und Herz anspricht!

Habt ihr es schon gelesen? Und wenn ja, was ist eure Meinung?

Diese Rezension ist der fruchtbaren Zusammenarbeit von Simone Vogel und Romina Nickel entsprungen. Als begeisterte HypnoBirthing- Mamas haben sie sich schon einmal gemeinsam diesem Thema gewidmet und im Juni 2015 die Thementage „HypnoBirthing“ erarbeitet. Während Simone als bekennender Bücherwurm und Mutter liest, kommt Romina ihre eigene Erfahrung als Kursleiterin zu Gute. Wenn ihr mehr zum Thema „HypnoBirthing“ wissen wollt, dann stöbert doch dort und lest mal rein.

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